3.762 Euro für Züchtungsfortbildung

Von einer, die auszog, das Züchten zu lernen

Charlotte steht mit Bleistift und Notizblock in der Hand auf dem Acker. Sie lernt gerade ein Handwerk, das früher in fast jedem Bauerngarten praktiziert wurde: Die Kunst der Gemüsezüchtung. Eigentlich ist die längst abgewandert – von den Äckern in die Zuchtgärten und Labore globaler Saatgutunternehmen. Trotzdem lässt sich Charlotte während einer 2-jährigen Fortbildung zur „Ökologischen Gemüsezüchterin“ ausbilden und erzählt, was sie in die Welt winziger Samen, Pollen und Pinzetten zog. 

Charlotte, warum verbringst du deine Freizeit mit Gemüsezüchtung?
Ich finde es unglaublich spannend, dass ich Pflanzen durch mein Einwirken verändern kann. Es lassen sich Eigenschaften wie Farbe und Geschmack beeinflussen oder die Anfälligkeit für Krankheiten reduzieren. Ich könnte mir aber auch zum Ziel setzen, eine Gemüsesorte mit besonders großen Blättern zu züchten. Die stellen unliebsame Kräuter in den Schatten und nehmen ihnen damit das Licht zum Wachsen. Ein sehr eleganter Unkrautschutz, oder? Ganz ohne Chemie!

Öko-Sorte, Öko-Züchtung... Was ist daran so besonders?
Öko-ZüchterInnen arbeiten vor allem dort, wo die Sorte später auch angebaut wird: Auf Bio-Äckern, weniger im Labor. Pflanzen sind lebendige Organismen, sie stehen immer im Austausch mit ihrer Umwelt. Das sollte im Züchtungsprozess nicht anders sein! Bei der Entwicklung einer Sorte geht es uns nicht nur um Ertrag und Krankheitsresistenz, sondern auch um Geschmack und die Wirkung auf den Menschen. Gentechnische Methoden sind natürlich verboten. Und wir konzentrieren uns auf die Bedürfnisse der Bio-Betriebe und nicht darauf, dass eine Sorte global und maximal gewinnbringend vermarktet werden kann.

Entmutigt es dich denn nicht, wenn Unternehmen mit Patenten und gentechnischen Methoden immer mehr Einfluss auf unser Essen nehmen?
Doch, manchmal schon. Andererseits sorgen Öko-ZüchterInnen ja dafür, dass es Alternativen zu den Einheitssorten der Konzerne gibt. Und wer weiß, vielleicht schätzen in Zukunft noch viel mehr Menschen, dass wir die Vielfalt und das praktische Wissen, wie Züchtung überhaupt funktioniert, auf den Bio-Höfen lebendig halten.

Mit unserer Spendenaktion unterstützten wir die Fortbildung „Biologisch-dynamische Pflanzenzüchtung“ des Kultursaat e.V. Während dieser erlernen die TeilnehmerInnen die Praxis der Öko-Züchtung, um auf ihren Betrieben selbstständig Öko-Sorten entwickeln zu können.  

www.kultursaat.org/