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ERFAHRUNGSWISSEN IN BAYERN ZUR BEHANDLUNG VON NUTZTIEREN MIT ARZNEIPFLANZEN UND NATURSTOFFEN KRÄUTERHEILKUNDE IST WICHTIGER BESTANDTEIL DER TIERGESUNDHEIT

„Erfahrungswissen in Bayern zur Behandlung von Nutztieren mit Arzneipflanzen und Naturstoffen“ heißt das Projekt, das Dr. Michael Walkenhorst, Themenleiter Tiergesundheit am Forschungsinstitut für biologischen Landbau und Doktorandin Theresa Schlittenlacher in die Finalistenrunde für die BioMarkt-Förderpatenschaft 2019 gebracht hat. Frau Prof. Knubben-Schweizer ist die universitäre Betreuerin des Projektes. In einem Interview stellt uns Frau Schlittenlacher das Konzept kurz vor.

WORUM GEHT ES IN IHREM VORHABEN?

Das Wissen zum Einsatz von Arzneipflanzen und Hausmitteln zur Behandlung von Nutztieren könnte in meiner Heimat Bayern unweigerlich verloren gehen. Heilkräuterrezepte aus der Schweiz, Österreich sowie dem Mittelmeerraum wurden hingegen bereits erfasst. Mir ist es ein Herzenswunsch, nun auch den Erfahrungsschatz aus Bayern für kommende Generationen zu dokumentieren.

WARUM UMFASST IHR FORSCHUNGSGEBIET NICHT GANZ DEUTSCHLAND?

Da Bayern geographisch sehr abwechslungsreich, mit verhältnismäßig kleinbäuerlichen Strukturen und zahlreichen ökologisch wirtschaftenden Betrieben ist, erwarten wir, dass Naturstoffe und Arzneipflanzen viel Verwendung finden. Zudem ist es im Dialog mit den Landwirten essentiell, deren Mundart zu verstehen, sowie mit den entsprechenden Traditionen vertraut zu sein, um eine ansprechende Gesprächssituation, insbesondere für ältere WissensträgerInnen herzustellen. Man sollte auch die Bezeichnungen der Kräuter kennen. Wussten Sie z.B., dass in Bayern Soichl-Roam das Blattgrün von Möhren ist? Wie die Norddeutsche Bezeichnung dafür ist, weiß ich wiederrum nicht. Die Erfassung in ganz Deutschland wäre aber für die Zukunft sicherlich eine interessante Perspektive.

WARUM IST ES WICHTIG, DIESES PROJEKT JETZT DURCHZUFÜHREN?
Als junge Bio-Landwirtin und frischgebackene Tierärztin sehe ich auf unserem Hof täglich, wie effektiv wir unsere Milchkühe und Kälber ergänzend zur Schulmedizin mit Kräutern und Hausmitteln behandeln können. Gleichzeitig sehe ich aber auch, wie die Generation mit dem noch größten Wissensschatz immer älter wird und oft aus den verschiedensten Gründen niemanden hat, an den sie ihre Erfahrungen noch weitergeben kann. Hier besteht dringender Handlungsbedarf.

WODURCH GLAUBEN SIE WERDEN SICH IHRE HEILKRÄUTERREZEPTE VON DIESEN IN ÖSTERREICH UND IN DER SCHWEIZ UNTERSCHEIDEN?
Interessant ist, dass selbst innerhalb der Schweiz regionale Unterschiede festgestellt worden sind. Dementsprechend werden in Bayern aufgrund der geographischen Verhältnisse und der spezifischen Flora auch andere, bisher nicht dokumentierte Arzneipflanzen Anwendung finden. Tradition und Brauchtum, Mentalität und die Betriebsstrukturen haben ebenfalls einen Einfluss auf die eingesetzten Rezepturen.

WIE LÄUFT ES AKTUELL MIT DER SUCHE NACH NEUEN WISSENSTRÄGERINNEN?

Die Resonanz auf das Projekt ist sehr gut. Besonders erfreulich ist, dass aus manchen LandwirtInnen die Rezepte direkt nach der Begrüßung nur so „heraussprudeln“. Ich merke wie groß der Wunsch ist, dieses Wissen in ordentlicher Form weiterzugeben und zu bewahren.