03.08.2018: Generationswechsel in der Landwirtschaft

Erstes Kennenlernen vor der Veranstaltung in Rankweil - "Alte Höfe - neue Wege"
Projektteam v. l.: Thomas Huemer, Margit Fischer und Manuel Bornbaum.
Hofbesuch in Wolkersdorf

Eine Zwischenbilanz

Im Februar 2018 haben wir das Öko-Junglandwirte-Netzwerk aus Deutschland und das Netzwerk Existenzgründung in der Landwirtschaft (NEL) aus Österreich mit der BioMarkt-Förderpatenschaft 2018 ausgezeichnet. Die beiden Initiativen greifen mit ihren Projekten die Thematik auf, dass immer mehr bäuerliche Betriebe aufgegeben werden, da es an Hofnachfolgen innerhalb der Familien mangelt. Gleichzeitig gibt es immer mehr Menschen, die in der Landwirtschaft Fuß fassen wollen, auch ohne auf einem bäuerlichen Betrieb aufgewachsen zu sein. Genau da setzen die beiden Projekte an, und wollen Hofsuchende und Hofübergebende zusammenbringen. Folgend eine kurze Zwischenbilanz vom NEL.

Nachfolger gesucht – so läuft die Vermittlungsarbeit

Um diejenigen, die einen Nachfolger für ihren Hof suchen und solche, die gerne einen Hof übernehmen wollen, zusammenzubringen, hat das NEL eine Plattform ins Leben gerufen: www.perspektive-landwirtschaft.at . Hofsuchende registrieren sich dort meist selbstständig und füllen den Steckbrief und den Fragebogen aus. Zunächst stellt das Team die Hofsuchenden in telefonischen Erstgesprächen die Möglichkeiten der Hofbörse vor, bespricht die Vorhaben und weiteren Schritte. Ist das Hofgesuch online, können die Hofsuchenden mithilfe einer Kommentarfunktion unter den Hofangeboten Kontakt aufnehmen. Meist übernimmt das NEL die Vermittlung, beispielsweise wenn die Hofübergebenden keine E-Mail-Adresse haben oder telefonisch kontaktiert werden möchten. Dabei nimmt der Prozess für alle Seiten viel Zeit in Anspruch: Die Hofsuchenden wollen detailliert über die Hofübergebenden und ihre Höfe informiert werden. Dabei ist es dem Team vom NEL ein Anliegen die Anfragen ausführlich zu prüfen und den Hofsuchenden eine realistische Einschätzung mit auf den Weg zu geben.

Den hofübergebenden BäuerInnen kommt ganz besondere Aufmerksamkeit zu, schließlich übergeben sie ihr Lebenswerk in zunächst fremde Hände. Hofübergebende erreichen das Beratungsteam entweder telefonisch, auf den Veranstaltungen oder sie registrieren sich selbstständig auf der Website. In den meisten Fällen besuchte bisher ein Mitarbeiter vom NEL den Hof und füllte Fragebogen und Steckbrief gemeinsam mit den Hofübergebenden aus. Durch den persönlichen Kontakt sind ein ausführlicher Austausch, schnelle Beantwortung von Fragen und die Abklärung von Wünschen und Absichten möglich. Im Zuge der Vermittlung zwischen den Suchenden und Übergebenden treten schließlich viele Fragen und Zweifel auf: Passen die Leute wirklich zu uns? Wie könnte ein Zusammenleben ausschauen? Halten sie dem Arbeitsdruck am Hof stand? Mischen sie sich zu sehr ein? Wollen die Übernehmenden mein Lebenswerk umkrempeln? Können wir als Übernehmende unsere Träume und Ideen ausleben?

Veranstaltungsreihe „Alte Höfe – neue Wege“

Neben der konkreten Vermittlungsarbeit startete das NEL im Mai 2018 mit „Alte Höfe – neue Wege“ eine Veranstaltungsreihe, um die Plattform auch analog vorzustellen und das Netzwerk zu stärken. So kamen nach der Vorstellung der Plattform und einer ersten Zwischenbilanz vor allem Hofübergebende und Hofsuchende sowie regionale VertreterInnen der Partnerorganisationen zu Wort. Stationen waren Rankweil (Vorarlberg), Graz (Steiermark), Wien, Wolkersdorf und Schrems (Niederösterreich). Nicht nur in den bekannten Abwanderungsgegenden, sondern quer durch Österreich ist die fehlende Hofnachfolge ein hochaktuelles Thema. Die Veranstaltungen waren gut besucht und im Publikum bestand Einigkeit, dass es mehr Raum und Möglichkeiten zum Kennenlernen bedarf.

Wir sind gespannt wie sich das NEL weiterentwickelt und freuen uns schon sehr auf die weitere Zusammenarbeit!